Saisonabschluss in Speyer

Beat Fehlmann

Du bist ja auch Chefdirigent des Florida Orchestras. Zahlreiche Orchester in den USA haben eine Sommerresidenz. Warum ist das eigentlich so?

Michael Francis

Es ist eine wunderbare Gelegenheit Musik zu spielen, die populärer ist und für die  sommerliche Leichtigkeit steht. In Florida machen wir das allerdings nicht, denn niemand  würde im Juli und August ins Konzert kommen. Es ist einfach viel zu heiß! Aber das Festival  Mainly Mozart ist ein gutes Beispiel für die Idee einer Sommerresidenz, oder natürlich auch  unser Musikfest Speyer. Nach einer langen Saison mit Werken wie Varèses Amériques  fokussieren wir uns auf die puristische Musiksprache der Klassik. Das gibt Energie für einen  Neustart.

BF

Die diesjährige Ausgabe des Musikfests Speyer rückt Ludwig van Beethoven ins Zentrum, der 2020 seinen 250. Geburtstag gefeiert hätte. Was verbindest du ganz persönlich mit diesem  Musikgenie?

MF

Beethoven ist der Größte. Und er war der Mutigste. Trotz all der schweren Schicksalsschläge hat er nie aufgegeben. Die Konzepte, die er in seinen Kompositionen erarbeitete, sind  beeindruckend. Seine Musik erzählt von Krieg, von Menschlichkeit, von Glaube oder von Freiheit. Die großartigsten Errungenschaften der Menschheit, die bedeutendsten Ereignisse  setzt er in Musik um wie kein anderer. Revolution, Hoffnung. Er transportiert große Gefühle.  Und so gehen wir immer wieder zurück zu Beethoven.

BF

Besonders erwähnenswert ist auch die intensive Zusammenarbeit mit dem Pianisten Joseph  Moog. Er wird als Artist in Residence nicht nur in diesem Jahr die Konzerte deutlich hörbar  prägen. Ich finde es besonders schön, dass wir einen international gefeierten Künstler, der in der unmittelbaren Region aufgewachsen ist, für unser Projekt gewinnen konnten.