Ein Freund des Orchesters!

 

Der englische Stardirigent Michael Francis und die Staatsphilharmonie kennen sich von vielen erfolgreichen Konzerten her. Jetzt widmet das Orchester ihm in der Saison 2018/19 ein „Künstlerporträt“, das eine spannende Konzertserie mit namhaftesten Solisten verspricht.

 

Die Frage, wie man Dirigent werden kann, hat sich Michael Francis nie gestellt. Vielmehr stand für ihn schon immer fest, dass er irgendwann einmal vor großen Orchestern stehen und mit ihnen die großen Werke des Klassik-Repertoires aufführen wird. Und so war es nur eine Frage der Zeit und des günstigen Augenblicks, wann sein Traum wahr werden sollte. Es war im Jahr 2007, als Francis diese einmalige Gelegenheit geboten bekam. Damals hatte er als Kontrabassist im London Symphony Orchestra schon viele Jahre unter den bedeutendsten Dirigenten gespielt. „Und jetzt war ein Konzert mit Maestro Valery Gergiev geplant“, so Michael Francis. „Doch als der Orchestermanager uns mitteilte, dass Gergiev leider indisponiert wäre, fragte er in die Orchesterrunde, ob jemand kurzfristig die Probe übernehmen könne. Sofort meldete ich mich!“ Nachdem Francis mit seinen Kollegen Schostakowitschs 4. Sinfonie geprobt hatte, wurde das Konzert ein Riesenerfolg und für den jungen Dirigenten prompt der Durchbruch. Seit diesem Zeitpunkt ist aus dem englischen Pult-Autodidakten und Shooting-Star längst ein international enorm gefragter Dirigent geworden.  Als Gast trumpfte er etwa bei der New York Philharmonic, der San Francisco Symphony und dem Helsinki Philharmonic Orchestra auf und arbeitete dabei mit Weltklasse-Solisten wie Lang Lang, Anne-Sophie Mutter und Christian Tetzlaff zusammen. Und seit drei Jahren ist Francis nicht nur Künstlerischer Leiter des renommierten „Mainly Mozart Festivals“ in San Diego. Als Musikdirektor des Florida Orchestras hat er gerade erst den 50. Geburtstag dieses Klangkörpers mit einer Konzertgala gefeiert, bei der auch Pop-Ikone Sting mitwirkte.

 

Wo Michael Francis auch immer das Publikum begeistert – stets verfolgt der 42-Jährige einen Leitsatz ganz besonders: „Ich will mich nicht in den Vordergrund stellen, sondern die Partitur“. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis dieses auch außerhalb des Konzertsaals so sympathisch uneitel auftretenden Musikers ist sein Umgang mit den Orchestermusikern. Statt sie zu belehren „will ich sie vielmehr an das erinnern, was sie bereits wissen.“ Mit dieser Kunst des Aufeinander-Reagierens und Einander-Zuhörens hat Francis sich den Ruf eines Orchesterleiters erspielt, bei dem es auf Anhieb freundschaftlich zugeht und gleichfalls inspirierend knistert. Auch die Staatsphilharmonie schätzt daher schon seit vielen Jahren die gemeinsame, ungemein fruchtbare Zusammenarbeit mit Michael Francis. Zumal seine musikalischen Vorlieben, die bis weit in die Moderne reichen, ähnlich breit aufgestellt sind wie die des Orchesters.

 

In der Konzertsaison 2018/19 stellt die Staatsphilharmonie nun den Dirigenten Francis mit einer spannenden Konzert-Reihe noch intensiver vor. Auf sechs Konzertprogramme an 12 Terminen in Heidelberg, Kaiserslautern, Ludwigshafen, Mainz, Neustadt, Speyer und Worms ist das ihm gewidmete „Künstlerporträt“ angelegt, bei dem allein schon die entsprechenden Solisten Ausrufezeichen setzen. Immerhin reicht der Bogen da von Cellist Maximilian Hornung über die Geigenikone Pinchas Zukerman bis hin zum Pianisten Herbert Schuch und an der Tuba den ECHO-Klassik-Gewinner Andreas Martin Hofmeir. Einen besonderen Programmschwerpunkt werden darüber hinaus Werke von Komponisten aus England bilden. Und ob es sich nun um Orchesterstücke und Solo-Konzerte von Benjamin Britten, Gustav Holst oder Edward Elgar handelt – für Michael Francis spiegeln sich in ihnen „manchmal sehr edel“ die Landschaften und die Menschen seiner englischen Heimat wider.

 

Text: Guido Fischer