Aribert Reimann gehört zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Komponisten der Gegenwart. Un jüngst hat er seinen 80. gefeiert. Dazu gratuliert ihm nun die Staatsphilharmonie in der Saison 2016/17 nachträglich mit einer Konzertserie sowie illustren Gästen.
Am Anfang einer Laufbahn sucht man natürlich immer wieder Rat bei erfahrenen Meistern ihres Fachs. Als der frischgebackene Abiturient Aribert Reimann nun 1955 sein Studium an der Berliner Musikhochschule antrat, empfing ihn sein Lehrer Boris Blacher sofort mit einem für ihn wegweisenden Hinweis. „Das, was auf den Musikfesten passiert, sollte Sie nicht interessieren“, so Blacher zu seinem jungen Studenten. „Halten Sie sich an das, was nebenher geschrieben wird, nicht an diese Ghettokonzerte.“ Damals war Reimann noch nicht einmal Zwanzig und dementsprechend neugierig, was sich gerade in den Zentren der Neuen Musik wie Darmstadt tat. Doch den Tipp seines Kompositionslehrers, sich nicht von bestimmten Klangmoden in seiner Phantasie einengen zu lassen, hat Reimann seitdem nicht nur in über 70 Werken umgesetzt. Heute ist er es, der jungen Komponisten empfiehlt, unbedingt seine eigene Sprache zu finden. „Das finde ich das aller Wichtigste.“ Für dieses Beharren auf ein individuelles, sich auch im hohen Alter weiterentwickelndes Klangvokabular ist Reimann selbstverständlich das ideale Vorbild. Schließlich ist der gebürtige Berliner nicht nur für sein umfangreiches und facettenreiches Schaffen mit den bedeutendsten Preisen ausgezeichnet worden - u.a. 2011 mit dem „Ernst-von-Siemens-Musikpreis“, der als Nobelpreis für Musik gilt. Aribert Reimann gehört zudem zu den meistaufgeführten zeitgenössischen Komponisten. Besonders gilt dies für den Opernkomponisten, der 1978 mit „Lear“ endgültig den internationalen Durchbruch markierte. Allein diese Shakespeare-Vertonung ist seit der epochalen Münchner Uraufführung weltweit an alle großen Häusern in fast 30 Neuproduktionen zu hören und zu sehen gewesen. Für solch ein noch relativ junges Musiktheaterstück ist diese Aufführungsserie schon mehr als verblüffend. Andererseits drückt sich in dieser Resonanz eben Reimanns untrügliches Gespür für das faszinierende Zusammenspiel von Musik und Wort aus. Mit seinen melismatisch ausschwingenden, die Schnittstellen zwischen Romantik und Moderne auslotenden Vokalwerken kann Reimann wie kaum ein Zweiter seiner Generation die Ausdruckstiefe der menschlichen Seele zum Klingen und zum Sprechen bringen.

Die Liebe zur Vokalmusik wurde ihm aber ja quasi in die Wiege gelegt: seine Mutter war eine Gesangspädagogin. Im Laufe eines halbes Jahrhunderts hat Reimann dann auch als Liedbegleiter stets mit den größten Sängern zusammengearbeitet. Angefangen von Dietrich Fischer-Dieskau über Brigitte Fassbaender bis hin zu seiner einstigen Schülerin Christine Schäfer. Und ebenfalls für die großartige Sopranistin Juliane Banse hat Reimann viele Lieder geschrieben. Mit ihr eröffnet nun die Staatsphilharmonie unter der Leitung von GMD Karl-Heinz Steffens die sechsteilige Konzertreihe, mit der dem „Composer in Residence“ Reimann nachträglich auch zum 80. Geburtstag (4. März) gratuliert wird. Dabei wird immer wieder der Shakespeare-Bewunderer Reimann im Mittelpunkt stehen – ob bei den von ihm für Kammerorchester arrangierten „Ophelia-Liedern“ von Richard Strauss oder bei den „Lear-Fragmenten“. Zugleich ist der „Klarinettensänger“ Jörg Widmann mit einem „Cantus“ zu Gast, den Reimann 2005 für den Kollegen, Freund und letztjährigen „Composer in Residence“ geschrieben hat.