Der österreichische Komponist und Dirigent HK Gruber ist einer der originellsten Köpfe in der zeitgenössischen Musik und weltweit bei den größten Orchestern gefragt. Jetzt feiert die Staatsphilharmonie ihn in der Saison 2017/18 mit dem ihm zugedachten Komponistenportrait, das eine spannende Konzertserie mit illustren Gästen verspricht. An das Jahr 1966 kann sich HK Gruber noch lebhaft erinnern. Schließlich markierte es einen Wendepunkt in seinem Musikerdasein. Gruber hatte bis dahin in dem Neue Musik-Ensemble „die reihe“ als Kontrabassist die neuesten Avantgarde-Werke von Boulez, Cage, Stockhausen & Co. gespielt. Doch als es ihm nun ebenfalls kompositorisch in den Fingern juckte, gab ihm 1966 sein enger Freund und Wiener Komponistenkollege Kurt Schwertsik den Rat: „Schreibe die Musik, die du hören möchtest.“ Für Gruber war das der Tipp fürs Leben. Denn seitdem schert er sich so gar nicht um musikalische Dogmen und Doktrinen. „Ich bin geradezu militant offen, was die verschiedenen Richtungen betrifft“, lautet vielmehr Grubers Credo. Seit 1966 komponiert er ganz offiziell tonal – was damals in der Neuen Musik-Szene natürlich noch heftiges Naserümpfen auslöste. Und von wem hat sich der von seinen Freunden und Bewunderern nur „Nali“ genannte Komponist nicht alles inspirieren lassen. Spuren von Beethoven und den Beatles lassen sich da im Gruber-Kanon genauso ausmachen wie von Strauß und Strawinsky, von Gershwin und Frank Zappa.
Dank diesem riesigen Klangspektrum ist über vier Jahrzehnte hinweg ein Werkkatalog entstanden, der mit seinen sinnlichen und unterhaltsamen, frech raffinierten und subversiven Vorzeichen und Zügen nicht nur längst bei den Weltklasseorchestern in Los Angeles, Wien oder Berlin reißenden Absatz findet. Grubers Opern werden auch bei den Bregenzer Festspielen gespielt. Und selbst als Chansonnier ist der 1943 als „Heinz Karl Gruber“ in Wien geborene Allrounder schon fast Kult. So hat er Hanns Eisler und damit einem absoluten Lieblingskomponisten das Song-Projekt „Roaring Eisler“ gewidmet. Und das schrille Pandämonium „Frankenstein!!“ für Chansonnier und Orchester ist seit der 1978 von Simon Rattle geleiteten Premiere weltweit auf Erfolgskurs.
Mit dem Orchesterwerk „Dancing in the Dark“, das Rattle hingegen 2003 mit den Wiener Philharmonikern aus der Taufe gehoben hat, eröffnet nun die Staatsphilharmonie unter Chefdirigent Karl-Heinz Steffens quasi die Gruber-Festspiele 2017/18. Eine ganze Saison lang ehrt das Orchester einen Musiker, ohne den die Musik(szene) der Gegenwart einfach nur ärmer, farbloser, langweiliger wäre. Dementsprechend facettenreich fällt auch die musikalische Bandbreite der insgesamt sechs Konzerte aus, in denen das diesjährige Komponistenportrait HK Gruber in den Mittlepunkt stellt. In „Dancing in the Dark“ taucht sogar ein „Trauer-Foxtrott“ auf. Pulsierenden Drive besitzt „Busking“ für die schräge Besetzung Trompete, Akkordeon, Banjo und Streichorchester. Und nicht nur bei dem herrlich burlesken Schlagzeugkonzert „Rough Music“ ist rhythmisch schwer was los. Bei der bitterbösen Strauß-Parodie „Charivari - Ein österreichisches Journal“ muss schon mal ein Schlagwerker zwischen zehn Pauken hin- und herhecheln. Während die Deutsche Erstaufführung von „Northwind Pictures“ dem Konzertmeister durchaus Schuhplattler-Können abverlangt.
Welches Werk aber auch immer selbst von prominenten Gästen wie Star-Oboist Albrecht Meyer, Schlagzeuger Alexej Gerassimez und selbstverständlich dem Meister höchstpersönlich dirigiert und gespielt wird – stets ist klar: HK Gruber schreibt Musik, die nicht nur er hören möchte, sondern eigentlich jeder.