Symphonic Project

Klaus Doldinger ist eine lebende Jazz-Ikone und könnte entspannt auf seine Karriere zurückblicken. Doch ohne Musik kann der 74-Jährige nicht leben. So ist es eine logische Konsequenz, dass er nach den Konzerten mit der Staatsphilharmonie vor zwei Jahren nun im September 2010 eine gemeinsame CD-Einspielung realisierte. Wir sprachen mit Klaus Doldinger über seine Arbeit mit dem rheinland-pfälzischen Vorzeigeorchester und den speziellen Doldinger-Sound.
Herr Doldinger, was bedeutet für Sie die Zusammenarbeit mit der Staatsphilharmonie?
Wir haben ja schon 2008 bei den Konzerten auf der Bundesgartenschau in Bingen und bei den Trierer Moselfestwochen dieses Programm gespielt, das nun auf CD kommt. Ich habe die Staatsphilharmonie als unglaublich motiviertes Orchester kennen gelernt. Wir harmonierten sehr gut miteinander und hatten großen Spaß. Bei den Konzerten 2008 sind übrigens ein paar Live-Mitschnitte entstanden, die so gut sind, dass wir sie auch für die CD verwenden wollen.
Die CD wird also das gleiche Programm umfassen, wie die beiden Konzerte?
Nicht ganz. In Bingen und Trier waren auch ein paar Stücke von mir und meiner Band Passport ohne Orchester zu hören. Die CD wird nun ausschließlich mit den Arrangements für Band mit Orchester bespielt. Darunter sind die beiden Film-Suiten zu „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“, mein Jazz Concertino von 1968, neue Kompositionen und natürlich die Bearbeitung der „Tatort“-Titelmusik.
Warum haben Sie sich entschieden, eine CD zu machen?
Mit Passport realisiere ich jedes Jahr zwischen 30 und 50 Konzerte. Das Publikum möchte natürlich immer wieder etwas Neues erfahren. Zudem habe ich immer wieder Ideen, Dinge, die auf der Seele liegen und raus wollen. So entstehen neue atmosphärische und rhythmische Farben, die ich gerne auch auf CD festhalte. Hier hat man reizvolle Möglichkeiten. Zum Beispiel kann ich dem Orchester an einigen Stellen mehr Gewicht geben oder verhindern, dass es von der Percussion zugedeckt wird etc. Deswegen werden wir auch die Live-Mitschnitte in die Produktion einbinden. Der Gedanke zu einer CD-Einspielung kam mir aber in der Tat sehr spät, wenn man bedenkt, dass „Das Boot“ bereits 1981 und „Die unendliche Geschichte“ 1984 erschienen sind. Aber besser spät, als nie! Und das 40-jährige Bestehen von Passport und mein 75. Geburtstag im nächsten Jahr sind auch ein guter Anlass, wie ich finde.
Was entsteht, wenn Passport und Staatsphilharmonie Aufeinander treffen? Klassischer Jazz oder jazzige Klassik?
Weder noch. Es entsteht Klaus Doldinger. Ich habe die Stücke so angelegt, wie ich auch normalerweise für Bands komponiere. Es soll nicht nach einem bestimmten Genre klingen. Es klingt schlicht und einfach nach mir, nach meiner atmosphärisch bedingten Vorstellung von Musik, in der ich mich wohl fühle. Ich mag es ohnehin nicht, wenn man Grenzen zu eng zieht. Ich freue mich, wenn die Leute im Konzert mitklatschen und richtig Leben in die Halle kommt. Bei Musik geht es um Emotionen.
(Veröffentlicht am 08.09.2010)