Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

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Spektakel für Sinne und Geist

Mannheimer Morgen, 8. Februar 2012

Der Premieren-Applaus hallte lange und stürmisch im voll besetzten Saal des Pfalzbautheaters wider. Kurz zuvor ist Polizeichef Brown an der Seite seines Sohnes Tiger Brown an Seilen vom Bühnenturm herab geschwebt, hat goldenes Konfetti verstreut und verkündet, dass Königin die Freilassung von Macheath verfügt habe – besser bekannt als Mackie Messer.

Dies ist eine von vielen großartigen, wirkungsmächtigen Szenen, die bei der „Dreigroschenoper“ in der Inszenierung von Éva Adorján und Jürgen Esser zu erleben sind. 27 Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 16 Jahren stehen bei der Gemeinschaftsarbeit des KinderSpielTheaters des Theaters im Pfalzbau und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz auf der Bühne. Viele weitere junge ‚Akteure haben zusätzlich an der Großproduktion mitgewirkt, Kostüme und Maske mit entworfen und gestaltet.

Vor einem Jahr hatten die Proben an dem Stück von Bertolt Brecht mit der Musik von Kurt Weill begonnen. Der Lohn der Arbeit: Eine furiose Inszenierung, die so schillernd und humorvoll wie berührend die Geschichte vom Banden-Chef Macheath (Philipp Reischenbach) erzählt, der Polly (Fanny Braun) ehelicht und dadurch deren Vater und Oberhaupt des Londoner Bettler, Peachum, gegen sich aufbringt.Das Ehepaar Peachum wird vom Regie- und Ausstattungsteam Essr und Adorján verkörpert – neben Schauspieler Stephan Wriecz als Polizeichef Brown die einzigen erwachsenen Darsteller in dem Stück. Die Lieder „Die Seeräuberjenny“. „Der Kanonensong“ oder „Wovon lebt der Mensch?“ werden exzellent vorgetragen, dabei glänzend vom Orchester unter der Leitung von Paul Leonard Schäffer instrumentiert. Ein ausgewiesener Blickfang sind zudem die opulenten Kostüme: Die Mädchengang, die Mackie Messer verrät, hat sich am „Cyberpunk“ Genre orientiert, die (Skateboard fahrende) Gang von Macheath („Die Platte“) an der „Emo“-Szene. In zerschlissenen Kleidern treten die Bettler Peachums in Erscheinung.

Die Ölfässer, die gleichermaßen als Kulisse und Requisite fungieren, dienen als Sinnbild der globalisierten Welt, die Programm-Info verrät: Als Symbol für Geld und Macht, Krieg und das Verspielen von Ressourcen. Ebenso wird in dem wirtschafts- und gesellschaftskritischen Stück das Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen thematisiert: „Kinder werden einerseits zur Ware und von Erwachsenen benutzt; andere wiederum lassen sich vom Nachwuchs alles gefallen.“

Streng genommen wäre jedes einzelne Element der Produktion bereits Anlass für eine eigene kleine, schwärmerische Eloge – die prächtige Ausstattung, das herausragende Spiel der jungen Darsteller und der fabelhafte musikalische Vortrag. In Summe wird daraus schlichtweg großes Musiktheater, ein Spektakel für die Sinne und den Geist. (Martin Vögele)

(Veröffentlicht am 09.02.2012)

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