Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz: Revolution im Märchenreich

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Revolution im Märchenreich

Jedes Jahr bringen das Kinder- und Jugendtheater Speyer und das Theater im Pfalzbau eine gemeinsame Produktion für die kleinen Zuschauer auf die Bühne. Diesmal hat sich Regisseur Matthias Folz mit „Prinzessin Ana oder wie man einen Helden findet“ zum ersten Mal an eine Kinderoper gewagt. Seine Inszenierung der Geschichte von Jakob Vinje nach dem Bilderbuch von Susann Opel-Götz erlebte jetzt ihre Premiere im Ludwigshafener Pfalzbau.

Das Leben als Prinzessin war früher einfacher. Man musste nur warten, und irgendwann kam der Königssohn angeritten, um einen von der bösen Stiefmutter oder anderem Ungemach zu befreien. Und heute`? Muss man die Sachse selbst in die Hand nehmen, wenn der königliche Vater einfach meint, mit der Köchin nach Mallorca abdampfen zu können und die Hälfte des Reiches erst herausrücke will, wenn ein Held gefunden ist.

Aber was macht man, wenn man auf einem Matratzenhaufen sitzt und von den Erbsen nur schreckliche Blähungen bekommt? Wenn der Frosch sich partout in keinen Prinzen verwandelt? Und wenn man sich sine Zwerge aus Zeitungspapier selbst basteln muss? Dann wird es Zeit, das ganze Konzept zu überdenken und am Ende den Puppenspieler zu nehmen, der außer Fantasie nicht sehr viel zu bieten hat. Denn merke: Ein echter Held kann jeder sein.

Ganz nebenbei hat „Prinzessin Anna“ alle Märchengewohnheiten der Kinder in Frage gestellt und sämtlich Geschichten von Froschkönigen, Schneewittchen und Königskindern ein modernes Gewand verpasst. Eine kleine Revolution von den vier und mehr Jahre alten Kindern mit Begeisterung quittiert worden ist. Regisseur Folz, die drei Musiker des Kiko-Ensembles der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und die drei Schauspieler hatten es ihnen aber auch einfach gemacht. Der Anfang war ein ganz konventionelles Kasperletheater mit einem Puppenspieler, der drei Figuren auf seinem Wagen hatte: eine Prinzessin, einen Bösen, der der Prinzessin was tun will, und einen Guten, der die Prinzessin vor dem Bösen rettet.

Während sich das Geschehen in die Theaterrealität verlagert, entpuppte sich die Bühne als Abbild des Puppenwagens. Sie zeigte das Schloss, in dem die Prinzessin lebt. Dass sie ständig alle herumkommandiert und eine ziemlich eingebildete Person ist, deutet das Stück nur an. Die Kinder konnte n Anna – wie Annabell sich nach dem Verlust des halben Königreiches nannte – als Sympathiefigur akzeptieren. Sonst hätten sie wohl auch nicht hingenommen, dass auf der Bühne plötzlich gesungen wurde. Marie-Sophie Casper, die die Prinzessin spielte, entpuppte sich als glänzende Sopranistin die von den Musikern Erik Trümpler (Cello), Kai Adomeit (Klavier) und Johannes Moog (Klarinette) mit angemessener Zurückhaltung in Szene gesetzt wurde.

Die Lieder, die von Casper und ihren Kollegen Almut Fingerle und Christian Birko-Flemming an dem Theaternachmittag zu hören waren, waren hübsche und eingängige kleine Stücke, aber keine von der Sorte, die Kinder im Anschluss an die Vorstellung im Theaterfoyer und den ganzen restlich en Tag vor sich hin trällern. Und das war auch ganz richtig so: Alles andere wäre doch schon wieder so fürchterlich konventionell gewesen.

(Veröffentlicht am 09.01.2012)

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