Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

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Maximilian Hornung

Den Deutschen Musikwettbewerb gleich zweimal und ein paar Jahre später den ARD-Wettbewerb gewonnen, 2011 die Auszeichnung mit dem Echo-Klassik als Newcomer des Jahres und überdies noch 1. Solocellist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Maximilian Hornung hätte allen Grund, über den Wolken zu schweben. Doch der 25-Jährige ist bodenständig geblieben. Mit der Staatsphilharmonie konnte man den Cellisten Ende Oktober in Kaiserslautern und Mainz erleben.

Was macht Maximilian Hornung, wenn er nicht übt, probt, mit dem Tecchler Trio spielt oder auf Konzertreise ist?
Eigentlich mache ich in meiner Freizeit alles, worauf ich gerade Lust habe und was sich ergibt. Wenn ich neben dem Orchesterdienst und rund 40 Konzerten im Jahr mit all den dazugehörigen Vorbereitungen, Reisen und Proben mal frei habe, genieße ich diese Freiheit total. Ich stehe auf, wann ich will und ohne Termine im Kopf, das ist sehr entspannend. Ich habe zwar kein richtiges Hobby, aber sehr gern treffe ich mich mit meinen Freunden, dann gehen wir zum Beispiel ins Kino, fahren auch schon mal Go-Kart oder im Winter Ski. Und da ich ein echter Genießer bin und sehr gern esse, kochen wir auch gemeinsam – oder gehen in ein gutes Restaurant.

Den Deutschen Musikwettbewerb mit gerade einmal 18 Jahren und dann auch noch den ARD-Wettbewerb zu gewinnen, ist ja keine Selbstverständlichkeit. Ihre Debüt-CD wurde mit dem französischen Schallplattenpreis „Classique-Info Ring“ ausgezeichnet und jetzt gab es auch noch einen Echo für die jüngste Einspielung „Jump“ bei Sony Classics. Haben Sie das FC Bayern-Gen?
Von Fußball habe ich zwar nicht viel Ahnung, aber als Münchner kenne ich natürlich den FC Bayern. Ein Senkrecht-Durchstarter bin ich aber eigentlich nie gewesen, bei mir geht es eher Schritt für Schritt. Und das ist auch gut so, ich halte gar nichts von diesen Ad hoc-Karrieren, die dann genau so schnell wieder vorbei sein können. Meine Agentur Witt hat das sehr gut und mit Bedacht gemacht, darüber bin ich sehr froh, denn so konnte ich mich in aller Ruhe entwickeln. Ich glaube, das ist schon sehr wichtig für eine langfristige Karriere.

Was hat sich durch diese Preise und Auszeichnungen verändert?
Der Deutsche Musikwettbewerb ist eigentlich eine Art Selbstläufer: Da geht man hin, gewinnt und kriegt alles. Es wird die Debüt-CD aufgenommen und es gibt etliche „Konzerte Junger Künstler“. Gerade durch diese Konzerte kann man sich eine gute Basis erarbeiten, denn neben richtig schönen Konzerten gibt es auch noch Anderes zu erleben – von drei Zuhörern über eine schwierige Akustik bis zum verstimmten Flügel. Das ist eine gute Übung und bringt für die künstlerische Entwicklung wahnsinnig viel. Der ARD-Wettbewerb ist dagegen nur ein „Karriereschubser“. Da kommen ein paar Folgekonzerte und das war’s. Alles Andere muss man dann selber machen. Man kann diesen Wettbewerb sehr erfolgreich für sich nutzen – wenn man etwas daraus macht. „Jump“ ist die erste CD, die richtig wahrgenommen wird. Wenn man bei Sony aufnimmt, gucken da irgendwie alle drauf, das ist schon ein Riesenknall. Und mit dem Echo knallt es eben noch ein bisschen mehr.

Wie kam es zu der Stückauswahl, die ja durchaus ein wenig gegen den Strich ist und von einer gewissen Risikobereitschaft zeugt?
„Jump“ ist schon meine siebte Einspielung, wenn man die Trio-CDs dazurechnet. Wir wollten diesmal ganz bewusst ein breites Spektrum zeigen und haben erst einmal ordentlich Stücke gesammelt. Dann mussten wir aus gut drei Stunden Musik aussortieren, ohne die Vielfalt und den musikalischen Bogen aus den Augen zu verlieren. Das war von Anfang an ein gutes Zusammengehen mit Sony und ich glaube, diese CD ist uns gut gelungen.

Wenn Sie kein Musiker geworden wären, was würde Sie heute wahrscheinlich machen?
Ach du meine Güte, da würde ich wahrscheinlich noch immer im Labyrinth irgendwelcher Universitäten umherschwirren. Eigentlich war Musiker schon immer mein Traumberuf. Was mich daneben wirklich sehr interessiert hätte, wäre ein Tonmeisterstudium, das hätte ich wahrscheinlich tatsächlich gemacht.

Gibt es Interessenskonflikte als Orchestermusiker und Solist?
Nein, eigentlich ist das Zusammenspiel von Solo, Orchester und Kammermusik optimal, weil man in jeder dieser Disziplinen etwas anders spielen muss. Das Orchesterspielen ist eigentlich eine große Form von Kammermusik. Im Orchester muss man sich sehr unterordnen, aber auch total exponiert spielen können. Ich muss mich einerseits voll dem anpassen, was um mich herum passiert und was der Dirigent möchte. Das betrifft hauptsächlich den Klang, aber natürlich auch das ganze Musikmachen. Und dann aber bin ich wieder auf Knopfdruck als Solist gefordert. Wenn ein Dirigent gut ist, dann ergibt sich ein homogenes Gesamtkunstwerk und all diese Dinge funktionieren ohne Probleme. Man muss – als Kammermusiker genauso wie im Orchester, im Orchester aber noch viel mehr – spontan und auch sehr offen sein für alle musikalischen Ideen und auf die Anderen eingehen können.

Mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielen sie in Mainz und Kaiserslautern Camille Saint-Saëns’ Violoncellokonzert Nr. 1 a-moll op. 33. Das Konzert wird oft als dankbar für den Solisten bezeichnet. Was genau bedeutet das?
Zum ersten Mal habe ich dieses Konzert 2004 mit dem Tonhalle-Orchester Zürich gespielt. Es gehört zu meinen Lieblingskonzerten, weil es so eine total natürliche, offene, fröhliche romantische Musik ist, die kann man einfach so frei von der Leber weg spielen. Dankbar ist das Konzert, weil der Solist eigentlich immer tolle Sachen zu spielen hat. Er hat die tragenden Themen und dadurch die Fäden in der Hand. Von ihm geht alles aus.. Das Stück ist übrigens auch für das Publikum sehr dankbar, denn es kann einen Riesenspaß dabei haben.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Also, mein Traum wäre ein Cello von Domenico Montagnana. Wenn mal einer vorbeikommen sollte und sagen, dass er seines nicht mehr braucht, würde ich es gern nehmen… Ansonsten wünsche ich mir, dass ich immer Spaß an dem haben werde, was ich gerade mache, dass es nie langweilig wird und ich meinen Beruf so lange und so gut wie möglich ausüben kann. (Interview: Gert Deppe)

(Veröffentlicht am 17.10.2011)

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