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„Metropolis“ - Filmklassiker in Frankenthal

Heute ein Kultklassiker und als erster Film in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen, aber bei der Uraufführung im Mai 1927 ein Reinfall: Fritz Langs „Metropolis“ war lange nur in einer stark gekürzten Fassung bekannt. Ein Sensationsfund 2008 in Buenos Aires aber machte es möglich: Seit Frühjahr 2010 ist das Original wieder zu sehen – die Staatsphilharmonie spielt es am 17. September im CongressForum Frankenthal.

Der renommierte Filmmusikdirigent Frank Strobel leitete das Berliner Rundfunk-Sinfonieorchester zur Premiere auf der Berlinale 2010. Am 17. September 2010 dirigiert Strobel die Staatsphilharmonie bei der zweiten Aufführung der restaurierten Originalversion in Deutschland. Die Staatsphilharmonie führte vorab ein Gespräch mit dem renommierten Dirigenten:

Herr Strobel, was zeichnet die Orchestrierung von „Metropolis“ aus?
Es handelt sich um die Originalmusik von 1927, komponiert von Gottfried Huppertz, der schon für die Verfilmung der „Nibelungen“ mit Fritz Lang zusammengearbeitet hatte. Das Besondere ist, dass die Musik nicht – wie sonst üblich – nach der Vollendung des Films komponiert wurde, sondern bereits während der Dreharbeiten in enger Kooperation mit Lang. Zu den Drehs wurde die Musik auf einem Klavier gespielt. Auch die Schauspieler wussten also, was akustisch passiert. Dadurch entstand ein einzigartiges Gesamtkunstwerk mit einer engen Verzahnung von Bild und Ton. Die Musik illustriert nicht nur, sondern leuchtet die Beziehungen der Protagonisten bis in den letzten Winkel aus und deutet sie psychologisch.

Der Film hat eine Spielzeit von zweieinhalb Stunden. Wie schwer ist es, die Konzentration so lange am Stück aufrecht zu erhalten?+
Das ist eine riesige Herausforderung. Da die Musik so nah am Film ist, muss das Orchester permanent extrem konzentriert sein. Ich als Dirigent muss dafür sorgen, dass die Musik synchron zum Bildmaterial erklingt. Durch die intensive Verbindung von Bild und Ton können sich die Musiker keinen Moment zurücklehnen.

Sie haben die Premiere der restaurierten Originalfassung in Berlin dirigiert. Welche Bedeutung hatte diese Aufführung für Sie?
Das war die Quadratur des Kreises! „Metropolis“ ist mein erstes Filmprojekt gewesen, im Alter von 16 Jahren. Ich erarbeitete damals eine Fassung der Originalmusik für zwei Klaviere. Seither beschäftigte mich dieser Film immer wieder. In all den Jahren entstanden weitere Restaurierungsfassungen und der Film wurde so vollständiger und mehr und mehr zu dem, was er einmal war. Dazu musste natürlich auch die Orchestermusik synchron angepasst werden, die als
einziges im Ganzen überliefert war. Mit ihrem ausgesprochen gestischem Charakter ließ sie sich den Szenen eindeutig zuweisen, wodurch auch das neu gefundene Material exakt rekonstruiert werden konnte. Ich war auch an der Filmrestaurierung beteiligt und meine Erfahrungen aus all den Jahren haben sehr dabei geholfen. Mit der Aufführung der Originalfassung schloss sich für mich ein großer Kreis. Die Premiere auf der Berlinale war ein unvergesslicher Moment.

Wie haben Sie erfahren, dass es zur Restaurierung kommt?
Das Material ist uns ja quasi vor die Füße gefallen. 2001 hatte es schon eine aufwändige digitale Restauration
gegeben. Jeder dachte: Damit hat es sich! Um so überraschter waren wir alle vom Fund in Argentinien. Ein privater Sammler hatte bereits in den 70ern eine Filmkopie dem Filmmuseum Buenos Aires übergeben, die auch auf 16mm Sicherheitsfilm gesichert wurde. Aber erst 2008 fiel die ungewöhnliche Längenbezeichnung auf. Daraufhin wurde das Material nochmals gesichtet und als Originalfassung identifiziert.

Mit der Staatsphilharmonie werden Sie die rheinland-pfälzische Erstaufführung realisieren. Was erwarten Sie von dem Abend in Frankenthal?
Ich freue mich sehr und muss sagen: Das wird höchste Zeit! Schließlich hat die Staatsphilharmonie die Fassung von 2001 etliche Male aufgeführt, zu der damals eine moderne Neukomposition von Bernd Schultheis gespielt wurde. Die Staatsphilharmonie ist eben auch ein sehr gutes und erfahrenes Filmmusikorchester und damit prädestiniert, dieses Monument in seiner Originalfassung aufzuführen.

(Veröffentlicht am 27.07.2010)

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