Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

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Armstrong ganz stark

Badische Neueste NAchrichten, 25. Januar 2012

Es mag ein wenig überraschen, wie unbeschwert und souverän ein noch so junger Pianist wie der 19-jährige Kit Armstrong in einem Werk von Johann Sebastian Bach aufzuspielen vermag. Beim jüngsten Meisterkonzert im Karlsruher Konzerthaus demonstrierte er eindrucksvoll, dass Vorschusslorbeeren wie von seinem so bedeutenden Mentor Alfred Brendel nicht von ungefähr kommen. Denn der lobte den vielseitig gebildeten und auch als Komponist tätigen Amerikaner mit chinesischen Wurzeln als „größte Begabung, der ich in meinem ganzen Leben begegnet bin“.

Das ursprünglich mit Violinpart geschriebene, dann für Cembalo arrangierte Klavierkonzert BWV 1052 versprühte bei Armstrong bereits im ersten Satz leichthändige rhythmische Frische in jugendlich-leidenschaftlich quirliger Virtuosität. Dies ist ganz angemessen in einem Stück, das auch im geschliffen begleitenden Spiel der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Karl-Heinz Steffens einen Touch von italienischem Flair hören ließ. Mag die thematische Durchführung bei diesem Klavierkonzert eine weniger markante Rolle einnehmen als in anderen Werken Bachs, so bewies Armstrong dennoch ebenso sein Gespür für feinsinnige Strukturen sowie gerade im Adagio perlend für intellektuelle und emotionale Tiefe. Im Ganzen wurde so ein moderner, klangvoller und farbig-transparenter Bach geboten, der einmal mehr zeigte, dass die legendären, grüblerischen und strukturell ausgereizten Sichten eines Glenn Gould keineswegs die alleine selig machenden sind. Verdientermaßen reichlich Jubel erntete der auch mit einer kristallin funkelnden Ligeti- Zugabe überzeugende junge Pianist, der in Steffens einen energischen und umsichtig formenden Partner an seiner Seite hatte. So fügten sich bei dem Dirigenten auch die teils recht divergenten Sätze von Zoltán Kodálys berühmter und sehr eingängiger „Háry János Suite“ plastisch geschlossen zusammen. Fast mythisch atmosphärische weite Tiefen beschwor das sehr variabel agierende Orchester ebenso herauf, wie es intime Klangfarben im Detail aufleuchten ließ. Gleichermaßen bewies es in dieser Orchesterfassung des ungarischvolkstümlichen Singspiels „Háry János“ die geforderte Flexibilität im Gefühl für Humor und triumphales Pathos. Den großen Bogen bei differenzierten und besonderen solistischen Ansprüchen spannte das Orchester auch bei Béla Bartóks „Konzert für Orchester“. Ein Werk, das ebenso ungarische Folklorismen reflektierte, wenngleich äußert vielschichtig in einer ganz eigenen neuen Tonsprache zwischen Tradition und Moderne. (Alexander Werner)

(Veröffentlicht am 02.02.2012)

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