Wagner ohne Worte
Die Rheinpfalz, 24. Mai 2013
Baden-Baden: Staatsphilharmonie begleitet Stummfilm
Von Karl Georg Berg
Es war sicher eine der ungewöhnlichsten Ehrungen zu Richard Wagners 200. Geburtstag: die Aufführung der (Stumm-)Filmbiografie „Richard Wagner“ von William Wauer und Carl Froelich aus dem Jahr 1913 im Festspielhaus Baden-Baden mit der von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Frank Strobel gespielten Live-Musik. Aber es war deshalb auch eine der reizvollsten und besten.
Geredet und geschrieben wird über Wagner dieses Jahr ja mehr denn je, gemäß dem Motto: Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Auch an mehr oder weniger gelungenen Aufführungen seiner Musikdramen ist kein Mangel. Da tut eine Aufführung ohne Worte gut – und eine, die sich, zumindest gemessen an unseren medialen Erfahrungen , mit einem Schuss Unbefangenheit ihrem Gegenstand nähert. Dabei ist die zum 100. Geburtstag des Meisters entstandene Nacherzählung wesentlicher Stationen seines Lebens in Filmszenen nicht simpel und unüberlegt gemacht, aber gemäß den Möglichkeiten, da die Bilder erst laufen lernten, natürlich eher plakativ und von naivem Pathos geprägt. Aber gerade das ist im Fall Wagner und all den mit ihm verbundenen hochtrabenden Reflexionen und emphatischen Bekenntnissen so ungemein erfrischend. Herrlich ist die Szene, in der Wagner einer Schar mehr oder weniger wacher Jünger seine Nibelungen-Dichtung vorträgt und dann plötzlich imaginäre Szenen aus dem „Ring“ in altgermanischer Optik gezeigt werden. Ein Glanzstück ist auch die unerhörte Diskussion Wagners mit dem Anarchisten Bakunin.
So sehenswert der Film, so hörenswert die Musik von Giuseppe Becce, der im Film auch Richard Wagner spielt. Bernd Schultheis hat sie aus einem überlieferten Klavierauszug für die jetzige Premiere der aufwendig restaurierten Fassung neu orchestriert. Giuseppe Becce verwendete unter anderem Teile aus Sinfonien Mozarts, Haydns oder Beethovens, auch Musik von Rossini. Da Witwe Cosima die Verwendung von Originalmusik ihres Gatten (und ihres Vaters Franz Liszt) verbot, musste oder konnte Becce die entsprechende Wagner-Musik nachempfinden. Das machte er ganz famos.
Ein Genuss war im Festspielhaus Baden-Baden auch die Wiedergabe der Partitur durch die klangschön und geschmeidig spielende Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der sicheren und animierenden Leitung von Filmmusik-Spezialist Frank Strobel, der ja schon seit vielen Jahren mit dem Orchester spektakuläre Filmmusikprojekte realisiert.
Dank der TV-Übertragung auf Arte hatten alle Wagnerianer noch in der Nacht die Gelegenheit, den Film mit der neu arrangierten Musik zu sehen.
Termin: Heute Abend, 20 Uhr, wird die Filmvorführung mit Live-Musik in der Fruchthalle in Kaiserslautern wiederholt. Karten gibt es unter Telefon 0631/3652316.
(Veröffentlicht am 24.05.2013)