Gemeinsam sind sie unschlagbar
Mannheimer Morgen, 17. Dezember 2011
Die Frage, ob und wie Mozart und Habekost zusammenpassen, im Programmheft und in der Begrüßungsrede vom Vorstandssprecher der BürgerStiftung Ludwigshafen Klaus Schönleben gestellt, war eher rhetorischer Natur. Schönleben zeigte sich gleich selbst überzeugt davon, dass “die Ikone der Wiener Klassik und die Ikone neuzeitlichen Pfälzer Humors” ganz prächtig harmonieren. Schon zum siebten Mal bot die Stiftung, gemeinsam mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, in diesem vorweihnachtlichen Konzert hochbegabten jungen Solisten aus der Region die Chance zum großen öffentlichen Auftritt. Der Kurpfälzer Christian “Chaco” Habekost, so Schönleben, sei ein großer Mozart-Fan, und wenn Mozart noch lebte, wäre er gewiss Habekost-Fan.
Vor der verbalen Begrüßung waren die Gäste im ausverkauften Pfalzbau-Konzertsaal schon mit der Ouvertüre zu Mozarts „Don Giovanni“ willkommen geheißen worden. Die Staatsphilharmonie wurde an diesem Abend von dem in Uruguaygeborenen Tabaré Perlas geleitet, dessen Vita schon früh in eine ungewöhnliche Richtung abbiegt. Seit er nämlich 1999 bei einem Workshop des West Eastern Divan Orchestras auf Daniel Barenboim traf, wurde er von dessen völkerverbindenden Engagement nachhaltig infiziert. Seit 2000 ist Perla General Manager dieses für den Nahen Osten so wichtigen Orchesters und seit 2008 Vorstand der neu gegründeten Daniel-Barenboim-Stiftung in Berlin.
DSass Peral sein Handwerk nicht verlernt hat, bewies er im Laufe des dreistündigen Ko0nzertabedns mit dem souveränen Dirigat einer weiteren Ouvertüre(„Entführung aus dem Sersail“), der aufmerksamej Belgeitng zweier Solokonzerte und der gesitvollen Wiedergabe der Jupiter-Sinfonie C-Dur zum ASuklang.
Die 19.-jährige, vielfach preisgekrönte Wormsererin Lara Weber, die in Mannheim studiert, begnügt sich mit dem Kopfsatz Allegro apero aus dem Violinkonzert Nr. 5 A-Dur (KV 219) und erntete für ihre elegante Interpretation hochverdienten Beifall. Noch stärker die Ovationen für den trotz seiner 17 Jahre schon international renommierten Theo Plath, der im Fagottkonzert B-Dur vor allem n den virtuosen Kadenzen den ganzen Tonumfang seines Instruments ausschöpfte und glänzend phrasierte.
Davor, dazwischen und danach „Chako“, wie wir ihn noch nie gehört hatten, mit selbst erlebten und –erlittenen, auzsnahmslos köstlichen „Woinachtsgsch’schichtelcher“. Die Stimmungsbilder von den Weihnachtsmärkten landauf landab mit der Geruchsmelange von Broodworschd und Gliehwoi, das stumme Leiden vom Babbe, der am Adventskonsumier-Samschdag hinter der Mamme hertrottet, jeden Geschenkvorschlag abnickt und die Dudde schleppt. Was die Heiterkeitsausbrüche im Saal anging, wurden die realitätsnahen Erlebnisse noch übertroffen von der in gepflegten Hochpfälzisch vorgetragenen „neie Pfälzer Weltgschicht“, in der die Menschheitsgeschichte neu erzählt wurde.
Da hat der Chako einen homo verecktus dazu erfunden und einen vierten Heiligen König aus der Pfalz, der natürlich der „subberschde“ von allen war.
Und als er sich gar als Weihnachts-Junkie outete, der alle Jahre wieder die Habekost’sche „Kruscgdelkaschdekischd“ vom Speicher holt, da nützte auch der herzliche Abschiedsgruß „Schäänie Bescherung“ und die vorgerückte Stunde nichts. Da animierte Publikum, das so manche „Donde“ und manchen „Unggel“ in Chakos Erzählungen wiedererkannt hatte, applaudiere und johlte so lange, bis der Meister des gepflegten Dialektes für eine Zugabe3 wiederkehrte. Darin nahm er die explodierende Dekorationssucht aufs Korn, die vier Wochen lang an einer Strickleiter hängenden Weihnachtsmänner und die vielen Millionen Kilometer Lichterketten.
Am Ende waren sich alle einig: der Mozart und der Chako – zusammen einfach unschlagbar. (Waltraud Bruns)
(Veröffentlicht am 05.01.2012)