Ein Klangkörper mit Humor
Pfälzischer Merkur, 9. Januar 2012
Regelmäßig ist die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit Konzertmitschnitten in Funk und Fernsehen zu sehen, respektive zu hören. Auch für Filmmusiken greift das Orchester zu den Instrumenten. Gestern Abend begeisterte das Ensemble in der ausverkauften Festhalle sein Publikum.
Zweibrücken. Es war kaum verwunderlich, dass die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz gestern Abend vor einer ausverkauften Festhalle auftrat. Es brauchte schon einen podestartigen Bühnenaufbau, damit die knapp 60 Musiker in ihrer schwarz-weißen Kleidung Platz fanden und von ihrem Publikum gut zu sehen waren. Am Taktstock: Andreas Henning. Der Kapellmeister aus dem hessischen Hünfeld dirigierte die Deutsche Staatsphilharmonie nicht nur mit dem Taktstock sondern auch hüpfend, ja teilweise sogar leicht tanzend.
Das Programm war ein Feuerwerk bekannter Melodien von Gioachino Rossini, Georges Bizet, Johann Strauß und Frederick Loewe. Damit das Publikum bei dieser Zeitreise von Oper zu Oper, von Charakter zu Charakter den Überblick nicht verlor, moderierte Geiger Markus Wallrafen. „Endlich schafft es ein Geiger sich mal gegen ein ganzes Orchester durchzusetzen”, kommentierte er trocken. Diesen Witz behielt er während all seinen Ansagen bei: Einige Zuschauer nahmen wohl die Textpassage von Rossinis Arie des Basilio (Nr. 6) „La calunnia” aus dem „Barbier von Sevilla” zu genau. Denn dort heißt es, wie gestern Abend von Kammersänger Jürgen Trekel in seriöser Bassstimme vorgetragen: “Und der Arme muss verzagen, denn Verleumdung hat geschlagen.” Und genauso hatten einige Autofahrer die Feuerwehrzufahrten der Festhalle “verleumdet”, vulgo zugeparkt, und wurden deshalb nach den ersten beiden Stücken von Wallrafen aufgefordert, ihre Fahrzeuge doch noch schnell anderswo abzustellen. Mit der Mezzosopranistin Kinga Dobay und Carlos Petruzziello (Tenor) hatte das Ausnahme-Orchester zwei weitere Könner ihres Faches zu bieten, die sich mit Trekel die jeweiligen Solo-Parts teilten. (Marco Wille)
(Veröffentlicht am 12.01.2012)