Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

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Ein gescheiter Taktstockzauberer

Die Rheinpfalz, 3. Januar 2012

Die Besucher des Neujahrskonzertes im BASF-Feierabendhaus waren zweieinhalb Stunden lang im Glück. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz begleitete nämlich eine Sängerin und zwei Sänger in Ausschnitten aus Opern von Gioachino Rossini und Georges Bizet und einer Operette von Johann Strauß-Sohn. Das Konzert hatte aber die Überschrift „Ich hätt‘ getanzt heut Nacht“, Der Abend endete nämlich mit Szenen aus dem grandiosen Musical „My fair Lady“ von Frederick Loewe.

Der Abend begann nicht sofort mit Arien, sondern mit Rossinis Ouvertüre zu der Oper „Der Barbier von Sevilla“. Dirigent Andreas Henning sorgte für gute Stimmung, für fetzige Rhythmen und geschmeidiges Melos. Das Orchester war begeistert und spielte hervorragend. Andreas Henning ist seit der Spielzeit 2010/11 als Dirigent und Assistent von Generalmusikdirektor Karl-Heinz Steffens an der Oper Halle engagiert.

Henning ist ein sehr lebendiger und gscheiter Taktstockzauberer. Kein Wunder übrigens, dass die deutsch-ungarische Mezzosopranistin Kinga Dobay sich an seiner Seite wohl fühlt. In Ludwighafen sang sie die Cavatina der Rosina aus Rossinis Oper und erfreute die Opernfans mit ihren geschmeidigen Koloraturen und ihrem unwiderstehlichen Charme.

Danach erschien der Bassbariton Jürgen Trekel und sang die Verleumdungsarie des Musiklehrer Basilio aus dieser Oper. Trekel war 30 Jahre lang als seriöser Bass in Halle engagiert und ist noch immer eine Freude für Dirigenten und Moderatoren wie Markus Wallrafen, der das Ludwigshafener Publikum witzig und gescheit durch das Programm führte. Wallrafen ist Mitglied der Neuen Philharmonie Westfalen und ein Freund der Deutschen Staatsphilharmoniker.

Mit Kinga Dobay und dem jungen italienisch-spanischen Tenor Carlos Petruzziello betraten eine Carmen und ein Don José das Podium. Die stolze Carmen sang „Die Liebe ist ein widerspenstiger Vogel“ aus Bizets Oper und Don José die bekannte Blumenarie in der Hoffnung, den Vogel noch zu retten. Diese Arie ist nämlich ein Teil des Duetts zwischen Carmen und Don José kurz vor ihrer Ermordung. So weit kam es in Ludwigshafen gottlob nicht.

Nach der Pause ging es lustig weiter. Das Orchester spielte mit voller Spiellust die Ouvertüre zu der Operette „Zigeunerbaron“ von Strauß-Sohn, und Jürgen Trekel sang daraus das witzige Couplet „Ja, das Schreiben und das Lesen“. Dann ging endlich die Post ab, nämlich nach England und mitten hinein in das Gemach des Phonetikers Henry Higgins.

Die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle alias Kinga Dobay sang den Song „Ich hätt‘ getanzt heut‘ Nacht“ so schön, dass die Männer nur noch staunten. Jürgen Trekel verkörperte den Doolittle und den Higgins und Petruzziello den Jüngling Freddy, der sich in Eliza verliebt. Das beglückte Orchester bedankte sich mit dem Radetzky-Marsch, der Donner-und-Blitz-Polka von Johann Strauß und dem Militärmarsch „Berliner Luft“ von Paul Lincke. Das Publikum klatschte und sang vor lauter Lust und Sehnsucht „Luft Luft Luft“. (Gerd Kowa)

(Veröffentlicht am 09.01.2012)

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