Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

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Die Kunst zu glänzen, ohne zu blenden

Main Echo, 23. Januar 2012

Das Besondere am Konzert der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Stadthalle war, dass es eigentlich nichts Spektakuläres gab, als der blutjunge Pianist Kit Armstrong auf die Bühne kam, um mit seinen 18 Jahren den Zuhörern eine Lektion in Sachen Klavierspiel und Zuhörern zu erteilen. Wenn ein hochbegabter Pianist sich bekannt machten möchte, dann sucht er nach Möglichkeiten, seine Virtuosität und technische Beherrschung des Instruments zur Schau zu stellen, sich also die üblichen Verdächtigen, die die „Reißer“ von Taschiko0wsky oder Rachmaninow.

Nichts dergleichen bei diesem Konzert. Kit Armstrong spielt e ein ziemlich unbekanntes , „kleines“ Klavierkonzert von Joseph Haydn (/G-Dur), das zwar solide Kompositionsarbeit ist, aber keineswegs dem Typus „Virtuoses Solistenkonzert „ zugeordnet werden kann. Und so konnte – und wollte- Kit Armstrong nicht als Tastenlöwe großes Passagenwerk abliefern, er demonstrierte nicht Virtuosität. Sondern außergewöhnliche Musikalität. Er glänzt mit seinem Klavierspiel, aber er blendet nicht.

Lang, lang ist‘s her, dass ein Pianist in der Stadthalle mit derart differenziertem Anschlag gespielt hat: Das Stakkato kommt nadelspitz, das Legato fließt weich und das Non-Legato-Spiel widerspiegelt Haydns Esprit und Eleganz. Dazwischen unendlich viele Abstufungen. Das Largo des zweiten Satzes wird zu einer Meditation mit improvisierendem Gestus und klugem Pedalgebrauch, der die Klänge verbindet, aber nicht verschwimmen lässt. Das abschließende Rondo erfreut durch seinen Variantenreichtum.

Das Orchester unter Radoslav Szulcs Stabführung begleitet zurückhaltend und aufmerksam. Kurz: Nichts Spektakuläres, aber ein Haydn, wie man ihn sich wünscht, geistvoll wie immer, ohne falsches Pathos, manches mit einem leicht ironischen Unterton, aber auch echtem Gefühl,. Auch für die Zugabe hatte sich Kit Armstrong keinen Griff in die musikalische Trickkiste der „Encores“ gegönnt. Er spielte ein strenges, eng geführtes Choralvorspiel aus den Leipziger Chorälen von Johann Sebastian Bachs. Das war klar, das war „einfach“, das war einfach große Kunst. Diesen jungen Mann möchte man bald wieder hören.

Eigentlich war es rein ungarisches Programm, das die Staatsphilharmonie bot, schließlich war Haydn Hofmusiker bei der ungarischen Familie Esterhazy und mit Zoltán Kodály und Béla Bartók waren zwei der wichtigsten ungarischen Komponisten mit von der Partie. Die Háry-Janosch-Suite von Kodály aus dem Jahre 1927 ist eine glänzend aufgelegte Komposition, voller Schwung, Ironie und auch mit einem Schuss schwermütiger ungarischer Atmosphäre, die von der Cymbalm dem Hackbrett noch unterstrichen wurde. Das Ganze beginnt mit einem gewaltigen orchestralen „Hatschi“-Nieser, führt über eine wunderbar schräge Parodie auf Militärmusik, die von den grandiosen Blechbläsern gemeistert wurde zu einem schmissigen Finalsatz, in dem vor allem die gelungenen Wechsel der Tempi von der guten Zusammenarbeit von Dirigent und Orchester zeugten. Alles in allem war es ein großer musikalischer Spaß.

Ernster ging es nach der Pause mit Bartóks Konzert für Orchester zu, das der schon schwerkranke Komponist 1943 im amerikanischen Exil komponiert hatte. Unisono dräuen in der „Introduzione“ die tiefen Streicher, künden vom Unheil, das sich in den dramatischen Ausbrüchen manifestiert.

Aber es gibt auch witzige, parodistische Elemente, beispielsweise im zweiten Satz. Musikalische Steigerungen werden vom Dirigenten mit großen, weit ausholenden Bewegungen exakt vorbereitet. Das Konzert schwankt zwischen ungarischer Schwermut, einer musikalischen Auseinandersetzung mit dem militärischen Ko0mplex und fröhlichem Tanz. Im Parforceritt des jagenden Finals zeigen die Streicher einmal mehr ihren einheitlichen Klang und die Bläser ihre Einsatzstärke. (Werner Ziegler)

(Veröffentlicht am 30.01.2012)

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