Adam und Eva im Garten Edenkoben
Die Rheinpfalz, 17. Dezember 2011
„Mozarts meets Habekost“: Zur denkwürdigen Begegnung des Klassikers mit dem Comedian kam es beim Benefiz-Weihnachtskonzert der Bürgerstiftung Ludwigshafen im Pfalzbau. Auf dem Programm standen Wiener Klassiker und Pfälzer Geschichten. Letztere hatte Christina „Chako“ Habekost beigesteuert. Den musikalischen Teil bestritten die Staatsphilharmonie unter der Leitung von Tabaré Perlas und die beiden Nachwuchssolisten Lara Weber (Violine) und Theo Plath (Fagott).
„Wäre heute Mozart Habekost-Fan?“ Diese Frage stellte Klaus Schönleben, Vorstandssprecher der Bürgerstiftung, bei der Begrüßung der Besucher im bis zum letzten Platz belegten Pfalzbau-Konzertsaal. Die Antwort blieb offen. Immerhin, so stellte er fest, verbinde Habekost und Mozart der ausgesprochene Sinn für Humor. Und den stellte der in Mannheim geborene, mittlerweile in der Pfalz lebende „Pfälzer Till Eulenspiegel“ (Schönleben) im Lauf des Abends eindrucksvoll unter Beweis.
Gleichsam als Intermezzi zwischen Mozarts Musikstücken gab Habekost seine satirischen Gedichte und Erzählungen auf Pfälzisch zum Besten. Was auf recht elegante Weise geschah und zum Teil in erstaunlich zungenfertiger Überschallgeschwindigkeit.
Dabei war viel Interessantes zu erfahren, unter anderem, dass jeder des Pfälzischen Mächtige auch Musik machen könne, das Instrument dabei sei die Zunge. Und „bei uns“ so Habekost, „hawen die Leit Kultur.“ Am überraschendsten wirkte seine Erkenntnis dass die ersten Menschen Pfälzer gewesen seien: „Adam und sein Rippchen Eva lebten in einem Garten namens Edenkoben.“ Das hätte man natürlich wissen sollen.
Andererseits sinnierte Habekost mit scharfzüngiger Ironie unter anderem über Weihnachtsgeschäft, Konsumzwang und die hektische Geschäftigkeit in unserer Zeit. Der Erfolg hätte kaum größter sein können: Das Ludwigshafener Publikum zeigte sich nachgerade entzückt von seinen Darbietungen.
Insgesamt auf seine Kosten gekommen ist auch Mozart an diesem Abend. Unter der sehr deutlichen, dynamischen und Detailfeinheiten stringent exponierenden Stabführung des aus Uruguay stammenden Dirigenten Tabaré Perlas spielte die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz durchweg schwungvoll, kompakt und kultiviert. Besonders hervorzuheben ist die im Großen und Ganzen ausgesprochen eindrucksvolle Aufführung des Schlussstückes, der „Jupitersinfonie“ (C-Dur KV 551), im Zeichen ausladender sinfonischer Linien (erster Satz!), scharfer musikalischer Umrisse und differenziert dargestellter kontrastierender Charaktere.
Viel Feinschliff erhielten die betörend schönen sanglichen Bögen des langsamen Satzes, und mit intensivem Nachdruck wurden die kontrastierenden dramatischen Konfliktmomente gestaltet. Eindringliche Wiedergabe erfuhren auch die mehrstimmigen Vorgänge und die gewaltigen Verdichtungen der grandiosen Schlussfuge. Bis auf gelegentliche Unklarheiten der Stimmführung und der Artikulation der kleinen Notenwerte, die übrigens auch im ersten und im dritten Satz und in der „Don Giovanni“-Ouvertüre zu beobachten waren. Beschwingt und brillant kam dagegen das Vorspiel zur „Entführung aus dem Serail“ daher. Beide Ouvertüren wurden mit Ferruccio Busonis reizvollen Konzertschlüssen präsentiert.
Dann waren da noch zwei bemerkenswerte Nachwuchsmusiker. In Mozarts Fagottkonzert profilierte sich Theo Platz aus Koblenzbereits mit 18 Jahren als Virtuose seines Instrumentes mit beeindruckend flinker Zunge, schnellen Fingern, ebenmäßigem, abgerundeten Ton und mehr als bemerkenswerter Musikalität. Die um ein Jahr ältere Lara Weber aus Worms, Studentin an der Mannheimer Musikhochschule, spielte den Kopfsatz aus Mozarts Violinkonzert A-Dur (KV 219), technisch versiert, sicher, gepflegt und auf Differenzierung bedacht.
(Gabor Halasz)
(Veröffentlicht am 05.01.2012)