Sopranissima

Simone Kermes ist im besten Sinne verrückt: Die Interpretation ihrer Rollen unkonventionell zu nennen wäre eine Untertreibung. Das kann sie sich leisten, weil sie neben Cecilia Bartoli die gefragteste Sopranistin im dramatischen Koloraturfach überhaupt ist. Am Freitag, 30. März und Samstag, 31. März können Sie die „Crazy Queen der Barockoper“ bei einem Belcanto-Abend im BASF-Feierabendhaus erleben.
Eigentlich sollten die Auftritte von Simone Kermes weniger überraschen – zumindest was den Belcanto betrifft. Der nämlich verlangt schon immer nach spielerischer Interpretation, nach Verzierung und Ausschmückung durch Koloraturen, Fiorituren, Appogiaturen oder Portamenti. Die Kunst des Belcanto eröffnet den Sängern Freiräume, Möglichkeiten, sich zu profilieren: Nicht umsonst gab es einen regelrechten Starkult um die Kastraten und Sängerinnen dieser Zeit. Kermes schöpft mit ihrem außergewöhnlichen Stimmumfang die Möglichkeiten des „Schönen Gesangs“ bis zur Neige aus. Darüber hinaus aber – und das macht das eigentlich Unkonventionelle ihrer Auftritte aus – zeigt sie eine furiose Show mit ganzem Körpereinsatz. „Sie rockt“, schrieb die „Zeit“ und bringt es damit auf den Punkt.
Die beiden Abende im BASF-Feierabendhaus bestreitet sie in adäquater Begleitung: „Julien, du bist verrückt“, soll Daniel Barenboim zu seinem Assistenten und Korrepetitor Julien Salemkour gesagt haben, nachdem der 2006 nach einem Kreislaufzusammenbruch des Maestro ohne jede Vorbereitungszeit dessen Konzert zu Mozarts 250. Geburtstag an der Berliner Staatsoper übernahm. ARTE übertrug die Gala in 23 Länder. Salemkour dirigierte den Abend nicht nur souverän, sondern übernahm zudem Barenboims Passage am Klavier – und leistete außerdem noch seinen eigenen Einsatz am Glockenspiel in der Papageno-Arie.
Karten für die beiden Konzertabende im BASF-Feierabendhaus sind unter Telefon (0621) 6099911 erhältlich.
(Veröffentlicht am 07.02.2012)